INSM-Marktwirtschaftsbarometer 2026

Mit dem INSM Marktwirtschaftsbarometer‑ 2026 geht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zum dritten Mal der Frage nach, wie marktwirtschaftlich die Deutschen eigentlich denken. Im Zeitraum vom 25.11. bis 02.12.2025 hat das Meinungsforschungsinstitut Civey rund 5.000 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland repräsentativ zu zwölf wirtschaftspolitischen Themen befragt – von Mindestlohn über Klimaschutz bis zu Infrastruktur, Steuern und sozialer Absicherung.

In einem Jahr, in dem die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland außergewöhnlich schwach ist und die Verunsicherung durch Preissteigerungen, geopolitische Risiken und Transformationsdruck hoch bleibt, gewinnt diese Frage besondere Relevanz. Das Barometer zeigt eine Gesellschaft, die zwischen dem Wunsch nach Sicherheit durch den Staat und dem Vertrauen in Wettbewerb und Innovation schwankt.

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Das INSM‑Marktwirtschaftsbarometer 2026 ergibt einen Indexwert von –3 Punkten auf der Skala von –100 (rein planwirtschaftlich) bis +100 (rein marktwirtschaftlich) – also ein sehr mittiges Ergebnis mit leichter Tendenz Richtung Planwirtschaft.

Bemerkenswert bleibt die Diskrepanz zwischen Realität und Selbstbild: 60,1 % der Befragten halten sich selbst für marktwirtschaftlich, während nur 15,8 % staatliche Lenkung bevorzugen. Die Selbsteinschätzung fällt also deutlich marktwirtschaftlicher aus als das tatsächliche Antwortverhalten.

Fazit: Die Deutschen halten sich für klar marktwirtschaftlich, denken aber bei vielen konkreten Themen eher staatlichregulatorisch.

Diese Spannung prägt die wirtschaftspolitische Debatte im Krisenjahr 2026. Da lohnt sich der Blick in die einzelnen Kategorien. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Hier ticken die Deutschen eher marktwirtschaftlich…

1. Mindestlohn

Beim Thema Mindestlohn zeigt sich ein deutlicher marktwirtschaftlicher Reflex: 53,9% der Befragten wollen, dass die Lohnfindung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt wird – also durch Tarifpartner, nicht durch den Staat. Das ist ein wesentlicher Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft, denn Tarifautonomie stärkt Verantwortung, Wettbewerb und Flexibilität. Bemerkenswert ist, dass dieser Wert gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen ist und damit das Vertrauen in marktwirtschaftliche Prinzipien erkennbar zunimmt. Der Wunsch nach politischer Lohnfestsetzung sinkt parallel auf nur 27,1%.

Sollte ein verbindlicher Mindestlohn Ihrer Meinung nach eher zwischen den Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt oder eher durch die Politik festgelegt werden?

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2. Klimaschutz

Auch beim Klimaschutz setzen die Deutschen auf marktwirtschaftliche Lösungen: 46,9 % sehen Innovationen aus Wirtschaft und Wissenschaft als wirksamsten Ansatz, nur 11 % primär staatliche Regulierung. Ein weiteres Drittel hält beide Wege für gleich wichtig, aber die deutliche Präferenz für technologische Entwicklung unterstreicht die Erwartung, dass Fortschritt aus Erfindergeist, Wettbewerb und unternehmerischem Risiko entsteht.

Kann man dem Klimawandel Ihrer Meinung nach eher durch staatliche Regulierungen oder eher durch Innovationen aus Wirtschaft und Wissenschaft entgegenwirken?

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3. Chancengleichheit

Kaum eine Frage zeigt so deutlich marktwirtschaftliche Orientierung wie die nach Gleichheit: 70 % der Befragten halten Chancengleichheit für wichtiger als Gleichverteilung des Wohlstands. Das entspricht dem normativen Fundament der Sozialen Marktwirtschaft, die Wettbewerb und Aufstieg durch Leistung ermöglicht, statt Ergebnisse staatlich herzustellen. Dass diese Werte seit Jahren stabil sind, zeigt: Der Gedanke, dass Menschen durch eigene Initiative, Qualifikation und unter fairen Rahmenbedingungen aufsteigen können, besitzt weiterhin breite gesellschaftliche Akzeptanz.

Was ist Ihrer Meinung nach wichtiger: dass alle Menschen gleich wohlhabend sind oder dass alle Menschen die gleichen
Chancen haben, wohlhabend zu werden?

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Hier ticken die Deutschen eher planwirtschaftlich…

4. Öffentlicher Betrieb von Infrastruktur

Mit 76,6 % sprechen sich die Befragten klar für einen verstärkt öffentlichen Betrieb zentraler Infrastruktur aus – ob Telekommunikation, Krankenhäuser oder andere Bereiche der Grundversorgung. Nur 9,8 % bevorzugen private Trägerschaft. Dieses Ergebnis ist über Jahre stabil und eines der deutlichsten planwirtschaftlichen Signale.

Sollten Infrastruktureinrichtungen (z.B. Telekommunikation, Krankenhäuser) Ihrer Meinung nach zukünftig vermehrt öffentlich oder vermehrt privat betrieben werden?

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5. Preisregulierung für lebensnotwendige Güter

Mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) fordert staatliche Preisregulierung bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Strom oder Nahrung – ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr sogar gestiegen ist. Nur ein Drittel lehnt Regulierung ab.

Sollten Preise für lebensnotwendige Güter (z.B. Strom, Nahrung) Ihrer Meinung nach staatlich reguliert werden?

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6. Sozialversicherungen

Auch im Bereich der sozialen Sicherungssysteme befürworten 53,7 % eine primär staatliche Verwaltung – nur 14 % sehen private Vorsorge als bessere Lösung. Diese starke staatliche Präferenz gilt für Renten‑, Kranken‑ und Arbeitslosenversicherung gleichermaßen.

Sollten soziale Absicherungen (z.B. Renten-, Krankenversicherungen) Ihrer Meinung nach eher durch staatliche
Sozialversicherungen oder eher durch private Vorsorgeversicherungen gewährleistet werden?

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Zeit, zu handeln!

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen in unsicheren Zeiten stärker nach staatlicher Sicherheit suchen – auch wenn sie sich selbst als marktwirtschaftlich verstehen. Politik und gesellschaftliche Akteure sollten deshalb stärker erklären, wie Marktwirtschaft funktioniert und warum Wachstum, Innovation und Wettbewerb zentrale Voraussetzungen für finanzierbare soziale Sicherheit sind. Gleichzeitig gilt es, das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit marktwirtschaftlicher Strukturen zu stärken, indem staatliche Aufgaben dort klar definiert werden, wo sie unverzichtbar sind – etwa bei grundlegender Daseinsvorsorge, Stabilität oder sozialem Ausgleich.

Zugleich müssen marktwirtschaftliche Ansätze dort gestärkt werden, wo die Bevölkerung bereits offen dafür ist: etwa durch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, mehr Tarifautonomie und eine konsequente Ausrichtung auf Chancen statt Gleichmacherei. Eine moderne Ordnungspolitik sollte also Sicherheit gewährleisten, ohne wirtschaftliche Dynamik zu ersticken – und Wachstum wieder als Grundlage sozialen Fortschritts vermitteln.

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