INSM-Gutachten: Machtwechsel im Iran könnte Wirtschaft ankurbeln
Ein internationales Autorenteam des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WiFO), des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche und der Drexel University Philadelphia/USA hat im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die möglichen wirtschaftlichen Folgen eines Machtwechsels im Iran untersucht.
Zentrales Ergebnis:
Eine Wiedereingliederung der iranischen Volkswirtschaft in die regelbasierte internationale Arbeitsteilung hätte erhebliche Wachstumseffekte für den Iran und nennenswerte Wachstumseffekte für Deutschland und die EU. Die Autoren machen deutlich, dass eine solche Wiedereingliederung des Irans an glaubhafte und grundlegende Reformen im Iran zu knüpfen sind. Aufgrund der umfangreichen Proteste im Iran sei es sinnvoll, mögliche Veränderungen im Iran auch mit volkswirtschaftlichen Szenarienanalysen zu unterlegen.
Kernaussagen:
1. Westliche Sanktionen insbesondere nach 2012 haben die Integration des Irans in die Weltwirtschaft stark beeinträchtigt
Die Sanktionen westlicher Staaten haben ihr erklärtes Ziel erreicht und die iranische Volkswirtschaft von der globalen Wirtschaft weitestgehend entkoppelt. Die iranische Wirtschaft wurde stark geschädigt, was auch an verfehlter Wirtschaftspolitik des Landes liegt. Für Deutschland besonders relevant waren die Handelseinschränkungen bei Papier, Kunststoff, Metalle, Chemikalien und mit Abstrichen auch Maschinen.
2. Aufhebung der EU-Sanktionen würde iranische Volkswirtschaft um mehr als 80 Prozent steigen lassen, Deutschland und EU würden um 0,3 bis 04 Prozent wachsen
Eine Wiedereingliederung des Irans in die globale Wirtschaft würde das reale BIP des Iran langfristig um schätzungsweise mehr als 80 Prozent steigen lassen. Für Deutschland und die EU ergäbe sich ein realer BIP-Anstieg um 0,3 bis 0,4 Prozent, was einem zusätzlichen Jahreseinkommen von etwa 13 bzw. 54 Milliarden Euro entspricht.
3. Wachstumseffekt würde durch Produktivitätssteigerungen im Iran erhöht
Sollte die Aufhebung der Sanktionen zu einer Steigerung der iranischen Produktivität, z.B. auf das Niveau der Türkei oder Südkoreas führen, würden sich die Wachstumseffekte weiter erhöhen. In kombinierten Szenarien könnte das iranische BIP potenziell um 240 bis 389 Prozent steigen. Die Zuwächse in Deutschland und der EU würden auf 0,49 bis 0,53 Prozent bzw. 0,61 bis 0,7 Prozent steigen.
4. Wiedereingliederung des Iran könnte zu kurzfristiger Preissenkung für Öl von 6 bis 15 Prozent führen
Über die Effekte der Handelsliberalisierung hinaus hätte eine Wiedereingliederung des Iran erhebliche Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte. Eine Rückkehr zu den Ölförderkapazitäten der Vergangenheit würde kurzfristig zu Ölpreissenkungen von 6 bis 15 Prozent führen. Ein Eintritt Irans in die LNG-Märkte könnte einen noch größeren Einfluss auf die globalen Gaspreise haben. Geringere Energiepreise würde in Europa zusätzliche wirtschaftliche Impulse durch geringere Produktionskosten, höhere Realeinkommen der Haushalte und geringere Inflation auslösen.
Forderung der INSM
Die anhaltenden Proteste im Iran gegen das bestehende politische System sollte auf Regierungsebene zu einer umfangreichen Analyse möglicher Neuordnungen im Iran führen, inkl. einer wirtschaftlichen Folgeabschätzung. Die vorliegende Studie zeigt: Die wirtschaftlichen Effekte wären erheblich und positiv – insbesondere für den Iran, aber auch für die EU und Deutschland.








