INSM-Bildungsmonitor 2026: Bildungsstand, Bildungschancen und Bildungsmobilität

Der INSM-Bildungsmonitor 2026 untersucht aus bildungsökonomischer Perspektive zum 23. Mal, wie das Bildungssystem Wohlstand, Aufstiegschancen und gesellschaftliche Teilhabe sichern kann.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Steigende Anforderungen durch gesellschaftliche Transformationen

Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen des Epochenbruchs, der durch die miteinander verbundenen Transformationen von Demografie, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung geprägt ist und steigende Anforderungen an Fachkräftesicherung, Innovation, Integration, Beschäftigungsfähigkeit, digitale und internationale Kompetenzen stellt. Angesichts des demografisch bedingten Rückgangs des Arbeitskräftepotenzials kommt es darauf an, alle Bildungspotenziale zu nutzen, Bildungsarmut zu verringern, Bildungswege effizienter zu gestalten und insbesondere berufliche sowie akademische Fachkräfte zu gewinnen. Zugleich müssen MINT- und Digitalkompetenzen gestärkt, internationale Erfahrungen gefördert und Chancen wie Risiken von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz vermittelt werden. Unternehmen bewerten Investitionen in das Bildungssystem als nahezu unverzichtbar für die Bewältigung der Transformation, wobei neben höheren Ausgaben auch eine effizientere und gezieltere Mittelverwendung entscheidend ist. Der Bildungsmonitor geht daher der zentralen Frage nach, ob und wie gut das deutsche Bildungssystem diesen vielfältigen Anforderungen gerecht wird.

Rückgang in Schulqualität, Bildungschancen und Bildungsarmut

Der Bildungsmonitor beobachtet seit 2004 die Entwicklung des deutschen Bildungssystems in 13 Handlungsfeldern. Seit 2013 ist die durchschnittliche Bewertung zurückgegangen. Zwar wurden Fortschritte bei der Internationalisierung (+35,1 Punkte), der Förderinfrastruktur (+19,7 Punkte) und den Betreuungsbedingungen (+19,2 Punkte) erzielt, zugleich haben sich zentrale Bereiche der schulischen Bildung deutlich verschlechtert. Besonders betroffen sind die Integration und Bildungschancen (–25,1 Punkte), die Bildungsarmut (–41,8 Punkte) und vor allem die Schulqualität (–48,5 Punkte). Gesunkene Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sowie ein gestiegener Anteil von Schülerinnen und Schülern, die Mindeststandards oder Abschlüsse verfehlen, gefährden individuelle Aufstiegschancen, gesellschaftliche Resilienz und die künftige Fachkräftebasis.

Das Sonderkapitel untersucht den Zusammenhang von Bildungsstand, Einkommensverteilung, Bildungschancen und Bildungsmobilität. Zum einen ist der Anteil der Personen mit Hochschulabschluss zwischen 2005 und 2024 deutlich gestiegen – auch unter Personen aus Nichtakademikerhaushalten. Gleichzeitig nahm aber auch der Anteil der Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss zu. Ein mittlerer Bildungsabschluss bleibt zentral für den Zugang zur Einkommensmittelschicht und den Schutz vor beruflichem Abstieg. Immer mehr junge Menschen erreichen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern, zugleich wächst aber auch der Anteil mit einem niedrigeren Abschluss.

Der sozioökonomische Hintergrund beeinflusst die Bildungschancen sehr stark von der frühkindlichen Förderung bis zur Bildungsentscheidung nach der Schule. In Kita und Schule ist daher vor allem anzusetzen, um Bildungsarmut zu verringern, Bildungschancen zu verbessern und Aufstieg und Teilhabe zu sichern.

Die Bundesländer im Einzelnen

1. Sachsen

Sachsen bleibt weiterhin an der Spitze des Rankings und belegt den ersten Platz im INSM-Bildungsmonitor 2026. Sachsen erreicht vier Spitzenplätze in den Handlungsfeldern Förderinfrastruktur, Schulqualität, Bildungsarmut und Forschungsorientierung. Verbesserungsbedarf besteht in Sachsen vor allem bei den Betreuungsbedingungen.

2. Bayern

Bayern belegt den zweiten Platz. Das Bundesland erreicht den Spitzenplatz im Feld berufliche Bildung und zusätzlich drei zweite und drei dritte Plätze. Verbesserungsbedarf gibt es trotz Fortschritten weiterhin bei der Förderinfrastruktur.

3. Hamburg

Hamburg belegt insgesamt den dritten Platz.   Hamburg belegt einen ersten Platz bei der Internationalisierung. Zusätzlich drei zweite Plätze. Verbesserungspotenziale bestehen vor allem bei der Integration/Bildungschancen.

4. Baden-Württemberg

Baden-Württemberg belegt den vierten Platz. Baden-Württemberg erreicht Spitzenplätze im Handlungsfeld Zeiteffizienz, dazu zwei zweite und einen dritten Platz, hat aber wie Bayern Verbesserungsbedarf bei der Förderinfrastruktur.

5.  Saarland

Das Saarland verbessert sich auf den fünften Platz. Spitzenplätze weist das Saarland bei den Handlungsfeldern Ausgabenpriorisierung und Digitalisierung auf, dazu zwei zweite und einen dritten Platz. Verbesserungspotenzial besteht vor allem bei der Internationalisierung.

6. Thüringen

Thüringen verschlechtert sich auf den sechsten PlatzThüringen erreicht einen ersten Platz im Handlungsfeld Hochschule/MINT, dazu zwei dritte Plätze, hat hingegen den größten Verbesserungsbedarf bei der Integration, Internationalisierung und Zeiteffizienz.

7. Hessen

Hessen verschlechtert sich auf den siebten Platz und erreicht einen Spitzenplatz im Handlungsfeld Integration. Besonders hervorzuheben ist der geringe Anteil ausländischer Schulabgänger ohne Abschluss. In keinem Feld landet Hessen unter den letzten drei Ländern.

8. Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern verbessert sich auf den achten Platz und weist im Handlungsfeld Integration einen dritten Platz auf.  Verbesserungspotenzial besteht in Mecklenburg-Vorpommern vor allem im Handlungsfeld Hochschule/MINT.

9. Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein verschlechtert sich auf den neunten Platz und erreicht dritte Plätze in den Bereichen Zeiteffizienz und Bildungsarmut. Verbesserungspotenzial besteht in den Feldern Hochschule/MINT und Inputeffizienz.

10. Niedersachsen

Niedersachsen erreicht den zehnten Platz. In keinem Feld erreicht das Bundesland eine Platzierung unter den ersten drei Ländern. Verbesserungspotenzial besteht vor allem im Feld Hochschule/MINT.

11. Berlin

Berlin erreicht Platz elf. Berlin erreicht den Spitzenplatz im Feld Inputeffizienz und Platz 3 im Feld Betreuungsbedingungen. Verbesserungspotenzial besteht in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung, Bildungsarmut und Schulqualität.

12. Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz belegt den zwölften Platz. In keinem Feld wird eine Platzierung unter den ersten drei Ländern erreicht. Verbesserungspotenzial besteht in Rheinland-Pfalz vor allem bei der Forschungsorientierung, Digitalisierung und der Inputeffizienz.

13. Brandenburg

Brandenburg verbessert sich auf den 13. Platz und hat Stärken im Handlungsfeld Integration (zweiter Platz). Verbesserungspotenzial besteht bei den Bereichen Hochschule/ MINT, Digitalisierung, Zeiteffizienz, Forschungsorientierung, Betreuungsbedingungen und berufliche Bildung.

14. Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen belegt den 14. Platz. NRW erreicht in keinem Feld Platz 1 – 3. Verbesserungspotenzial besteht in den Bereichen Ausgabenpriorisierung, Internationalisierung, berufliche Bildung, Schulqualität und Bildungsarmut.

15. Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt verschlechtert sich auf den 15. Platz. Sachsen-Anhalt erreicht in keinem Feld Platz 1 – 3. Verbesserungspotenzial besteht vor allem bei der Inputeffizienz, den Betreuungsbedingungen, Integration, Zeiteffizienz, Digitalisierung und Ausgabenpriorisierung.

16. Bremen

Bremen belegt den letzten Platz im Bildungsranking. Bremen weist Stärken in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen (erster Platz) und Hochschule/MINT (zweiter Platz) auf. Verbesserungspotenzial besteht in Bremen bei der Bildungsarmut, der Schulqualität, der Ausgabenpriorisierung und Förderinfrastruktur (jeweils letzter Platz).

Was jetzt zu tun ist

Der diesjährige Bildungsmonitor steht klar unter der Überschrift: Gezielte Investitionen in Bildung können Chancen verbessern

Vor allem in den drei Handlungsfeldern Schulqualität, Bildungsarmut und Integration/Bildungschancen haben sich die Ergebnisse im Bildungsmonitor seit 2013 deutlich verschlechtert. Dies hat Folgen für Bildungsstand und Bildungsaufstieg in Deutschland.

  • Rund ein Fünftel der Bevölkerung verfügt über keinen berufsqualifizierenden Abschluss – mit gravierenden Folgen für Einkommenschancen und gesellschaftliche Teilhabe. Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II erreichen deutlich seltener die Einkommensmittelschicht und sind fast sechsmal häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit beruflicher Ausbildung. Der demografische Wandel verstärkt zusätzlich die positiven Berufsaussichten von Fachkräften.
  • Gleichzeitig hängen Bildungserfolg und sozioökonomische Herkunft in Deutschland nach wie vor eng und im Vergleich zu anderen Ländern stark zusammen. Kinder aus bildungsfernen Haushalten erreichen geringere Kompetenzen und schlechtere Bildungsabschlüsse, dabei entstehen die ungleichen Bildungschancen bereits in der Kindheit und in der Schulzeit.
  • Die Berufsausbildung ist hingegen eine Stärke des deutschen Bildungssystems und beim Zugang zu den Hochschulen gibt es deutliche Fortschritte.

Gezielte Investitionen in Bildung können Chancen verbessern

Das Schwerpunktkapitel schlägt verschiedene Maßnahmen vor, die bereits früh ansetzen und sich über die Bildungsstufen hinweg erstrecken:

  • Frühe Förderung: Flächendeckende, verpflichtende Sprachstandserhebungen vor dem Grundschuleintritt, Sprachförderung.
  • Nach Sozialindex differenzierte Ressourcen: eine Ausweitung des Startchancenprogramms auf Kitas und weitere Schulen in benachteiligten Lagen.
  • Bessere Förderinfrastruktur: der Ausbau von Ganztagsangeboten, mehr multiprofessionelle Teams und Mentoringprogramme.
  • Stärkung datengestützter Unterrichtsentwicklung: Ausweitung der Vergleichsarbeiten auf mindestens zwei Jahrgänge pro Schulform, um Lernzuwächse messen zu können. Umsetzung der Ergebnisse in Lern- und Lehrkonzepte. Einführung einer Schüler-ID. Mehr Autonomie für Schulen.
  • Qualität des Unterrichts: Sicherung hochwertiger Lehrkräfteversorgung durch mehr Ausbildung, Weiterbildung von Seiteneinsteigern. Konzepte zur Sicherung der Unterrichtsqualität bei Ausfall der vorgesehenen Lehrkraft sollten entwickelt werden.
  • Digitalisierung: Eine Digitalstrategie an Schulen zum Erwerb digitaler Kompetenzen und Konzepte zum Schutz der Kinder vor Risiken der Nutzung digitaler Medien in der Freizeit.
  • Mehr Berufsorientierung und eine gezielte Unterstützung leistungsschwacher Auszubildender können helfen, die Stärken der beruflichen Bildung zu erhalten.

Aktuell zeigen sich in den Maßnahmenbereichen erfreuliche Fortschritte:

  • Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung hat mit konkreten Programmen wichtige Maßnahmen vorgesehen und in Teilen schon umgesetzt (Digitalpakt 2.0, Startchancenprogramm, Rechtsanspruch Ganztag, Qualitätsentwicklungsgesetz). Das geplante Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz macht die Diagnostik des Sprach- und Entwicklungsstandes aller fünfjährigen Kinder bundesweit verpflichtend mit bei Bedarf anschließenden Förderangeboten. 10 Prozent der Kitas sollen orientiert am Startchancenprogramm der Schulen zusätzliche Mittel erhalten.
  • Zum 01.08.2026 besteht der Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung an Grundschulen. Vor allem die westdeutschen Bundesländer stehen hier noch vor erheblichen Ausbaubedarfen. Der Koalitionsvertrag sieht vor, Leistungen der Sozialgesetzbücher (z. B. Schulsozialarbeit) in einem Personalpool für multiprofessionelle Teams zu bündeln.
  • Der Koalitionsvertrag benennt explizit das Ziel der Einführung einer länderkompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID sowie den Aufbau eines Bildungsverlaufsregisters. NRW hat aktuell mit dem Schulkompass eine deutliche Ausweitung der Dateninfrastruktur als Basis einer datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung beschlossen.
  • Der Digitalpakt 2.0 wurde beschlossen mit dem Schwerpunkt auf digitale Infrastruktur und KI-basierte Lerntools. Erste Konzepte zum Schutz vor Risiken digitaler Medien wurden von der Bundesregierung eingesetzten Kommission erarbeitet.

 

Der Bildungsmonitor wird diese Pläne begleiten und in den kommenden Jahren abbilden, ob diese Maßnahmen positive Effekte auf Bildungsarmut, Schulqualität und Bildungschancen/Integration haben werden.

INSM Bildungsmonitor 2026 Livestream

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Autor:
Prof. Dr. Axel Plünnecke

Prof. Dr. Axel Plünnecke ist Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation, Migration beim Institut der deutschen Wirtschaft.

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