INSM-Bildungsmonitor 2021: Schulische Bildung in Zeiten der Corona-Krise
Der Bildungsmonitor 2021, den das Institut der deutschen Wirtschaft für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, misst seit dem Jahr 2004 bereits zum 18. Mal, in welchen Handlungsfeldern der Bildungspolitik Fortschritte erzielt werden konnten. In dieser Studie wird explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen. Die Ergebnisse der Studie sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren und einzuordnen. Es steht folglich im Fokus, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.
Das vorhergehende Jahrzehnt von 2010 bis 2019 war zwar von zahlreichen Krisen wie der EuroSchuldenkrise, dem Brexit und dem Protektionismus Donald Trumps betroffen. Dennoch betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des BIP in diesem Zeitraum rund 1,7 Prozent. Die CoronaKrise beendete diese Phase. Das BIP sank im Jahr 2020 um 5 Prozent und die Erwerbstätigkeit nahm von 45,3 auf 44,8 Millionen Personen ab. Die CoronaKrise markiert darüber hinaus aber einen wichtigen strukturellen Wendepunkt. Neben der DeGlobalisierung in Form von Protektionismus werden die 20er Jahren von den disruptiven Trends der Dekarbonisierung, Digitalisierung und des demografischen Wandels betroffen. Diese Trends fordern die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nachdrücklich heraus und lösen einen grundständigen Modernisierungsbedarf in zentralen Handlungsfeldern aus. Diese Entwicklungen stellen die Unternehmen in Deutschland vor große Herausforderungen. So schreiben im Dezember 2020 insgesamt 37,3 Prozent der im IWZukunftspanel befragten Unternehmen der Energiewende, 65,4 Prozent der Digitalisierung und 67,8 Prozent der Fachkräftesicherung einen eher großen oder sehr großen Stellenwert für das eigene Unternehmen zu (Demary et al., 2021).
Zentrale Digitalisierungshemmnisse sind gravierende Lücken in der Infrastruktur und beim EGovernment, rechtliche Grauzonen sowie fehlende DigitalisierungsExperten. Für die Dekarbonisierung in der Industrie, im Verkehr und beim Heizen und Kühlen von Gebäuden ist die verlässliche Verfügbarkeit großer Mengen erneuerbar erzeugten Stroms essenziell. Für den Erfolg von Digitalisierung und Dekarbonisierung sind Innovationen von zentraler Bedeutung. Dies erhöht strukturell den Bedarf an MINTKräften, deren Angebot indessen durch den demografischen Wandel vermindert wird. Um die spezifischen Wettbewerbschancen bei integrierten industriellen Prozessen durch die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte zu stärken und Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland zu sichern, sind aus Sicht der Unternehmen neben einem Umfeld für mehr Innovationen und Investitionen vor allem ITExperten von besonderer Bedeutung. Letztendlich erschweren Fachkräfteengpässe in Digitalisierungsberufen und Rückstände bei der digitalen Bildung in Schulen, Hochschulen und Weiterbildung eine schnellere Reaktion auf transformationsbedingt neue Fachkräftebedarfe (Demary et al., 2021).
Die CoronaPandemie führt durch die wirtschaftliche Krise zu einem Wendepunkt bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Zugleich stellt sie aber auch einen Wendepunkt für das Bildungssystem dar. Bereits vor der CoronaKrise waren die größten Herausforderungen des deutschen Bildungssystems die Ungleichheit der Bildungschancen (Anger/Plünnecke, 2021a) und die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in das Bildungssystem (Anger/GeisThöne, 2018). Der Bildungsmonitor bildet diese Herausforderungen in den Handlungsfeldern Schulqualität, Bildungsarmut und Integration ab. Diese Handlungsfelder bilden die Basis, um Potenziale in den Handlungsfeldern berufliche Bildung und Hochschule/MINT zu heben, die wiederum für die genannte Transformation der Gesellschaft durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie von zentraler Bedeutung sind.
Autor:

Prof. Dr. Axel Plünnecke ist Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation, Migration beim Institut der deutschen Wirtschaft.











