Energiepreise im zeitlichen und internationalen Vergleich: Wo steht Deutschland?
Die Empirie zeigt: Es besteht ein deutlicher positiver Zusammenhang zwischen Wohlstand und Energieverbrauch. D. h. mit steigendem Wohlstand (ver)braucht ein Wirtschaftsraum mehr Energie. Grund genug, in der aktuellen Wachstumsschwäche Deutschlands zu untersuchen: Sind die Energiepreise in Deutschland im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig? Diese und andere Fragen beantwortet Prof. Dr. Manuel Frondel von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im Rahmen einer Studie, die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben wurde.
Die wichtigsten Erkenntnisse in 30 Sekunden
- Deutschland hat hohe Stromkosten – aber vor allem hohe Gaspreis. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass deutsche Industrieunternehmen für Erdgas etwa das Fünffache dessen zahlen, was Unternehmen in den USA, Kanada oder Mexiko zahlen. Dieser Nachteil sei auf absehbare Zeit strukturell, und daher kaum zu beseitigen.
- Beim Strom liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt, aber nicht völlig isoliert. Deutschland liegt 2025 bei großen Industrieverbrauchern mit rund 14 Cent/kWh; der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 12 Cent. Frankreich und Spanien sind aber deutlich günstiger.
- Der deutsche Sondernachteil sind Netzentgelte und Umlagen. Deutsche Industriebetriebe zahlen die höchsten Netzentgelte Europas. Zudem sind staatlich verursachte Preisbestandteile – Steuern, Umlagen und Abgaben – deutlich höher als in fast allen Vergleichsländern (einzige Ausnahme ist Polen).
- Die Energiewende könnte die Netzkosten massiv erhöhen. Die Studie verweist auf Schätzungen von bis zu 730 Milliarden Euro Netzausbaukosten bis 2045 und warnt vor einer möglichen Verdreifachung der industriellen Netzentgelte.
- Die Studie empfiehlt kurzfristig eine Finanzierung von staatlichen Interventionen wie Netzbau oder KWK-Förderung über Steuern statt über Strompreise sowie mittel- bis langfristig eine technologieoffene Ausweitung des Stromangebots

















