Die Gästelandschaft in Polittalkshowformaten bei ARD und ZDF 2025
In der schwersten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik wird in den großen Talkshowformaten kaum über Wirtschaftspolitik gesprochen; und wenn, dann häufig ohne Unternehmer, Wirtschaftsverbände oder Ökonomen als Stimmen der Wirtschaft. Das zeigt die neue INSM-Studie zur Gästelandschaft in wirtschaftspolitischen Sendungen der fünf größten Polittalkshows von Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner, Sandra Maischberger sowie dem Format „hart aber fair“ mit Louis Klamroth. Sie knüpft an die Analyse aus dem Jahr 2023 an und vergleicht die Befunde auf Basis der Daten des Jahres 2025.
Kernaussagen
1. Nur rund 20 Prozent der Sendungen behandeln Wirtschaftspolitik
Wirtschaftspolitik spielt 2025 in den analysierten Talkshows lediglich eine untergeordnete Rolle. Nur 56 von 284 Sendungen (19,7 Prozent) behandeln das Thema. Damit sinkt der Anteil von Wirtschaftsthemen verglichen mit der Vorstudie von 32,7 Prozent auf 19,7 Prozent.
2. Ein Drittel der wirtschaftspolitischen Sendungen wird ohne Wirtschaftsexperten geführt
In 18 der 56 wirtschaftspolitischen Sendungen (32,1 Prozent) kam kein Wirtschaftsexperte aus Unternehmertum, Verbänden oder Ökonomie zu Wort. Verglichen mit der vorangegangenen Analyse halbierte sich dieser Anteil nahezu von 64,0 Prozent 2023. Diese Entwicklung ist eine erfreuliche Tendenz, auch wenn konstatiert werden muss, dass der Anteil weiterhin zu groß ist.

3. Politiker dominieren den wirtschaftspolitischen Diskurs, Vertreter der Wirtschaft kommen hingegen kaum vor
Von den insgesamt 237 Gästen in Wirtschaftssendungen stellen Politiker die größte Gästegruppe mit 40,9 Prozent, gefolgt von Journalisten mit 27,4 Prozent und Ökonomen mit 13,9 Prozent. Wirtschaftsvertreter sind in wirtschaftspolitischen Sendungen jedoch nur mit 6,8 Prozent vertreten, wovon Unternehmer 5,1 Prozent und Wirtschaftsverbandsvertreter 1,7 Prozent ausmachen.

Verglichen mit den Ergebnissen der Vorstudie verändert sich der Gästeanteil der Politiker kaum (2023: 41,2 Prozent, 2025: 40,9 Prozent), Journalisten stellen einen leicht geringeren Anteil (2023: 29,4 Prozent, 2025: 27,4 Prozent), wohingegen Ökonomen ihren Anteil stark ausbauen können (2023: 6,3 Prozent, 2025: 13,9 Prozent). Während der Anteil der Unternehmer nahezu gleich niedrig blieb (2023: 4,7 Prozent, 2025: 5,1 Prozent), waren Wirtschaftsverbandsvertreter deutlich seltener unter den Gästen (2023: 4,7 Prozent, 2025: 1,7 Prozent) zu finden.
4. Die Regierungsparteien sind unter den Politikern am häufigsten vertreten
In der Studie wurde auch die Parteizugehörigkeit der Politiker untersucht. Bei wirtschaftspolitischen Sendungen treten 36 Vertreter von CDU/CSU auf und stellen damit die größte Gruppe dar, gefolgt von der zweiten Regierungspartei SPD mit 27 Gastauftritten. Dahinter folgen die Oppositionsparteien Die Grünen (14), Die Linke (10) sowie FDP (5), ein Politiker der Freien Wähler und vier parteilose Politiker. Erwartungsgemäß hat sich die Zusammensetzung gegenüber 2023 deutlich verändert, was nicht zuletzt auf die Bundestagswahl und die neue Regierungskoalition zurückzuführen ist.

5. Die Ausgewogenheit bei Themen und Gästen ist stark vom Format abhängig
Zwischen den Formaten zeigen sich deutliche Unterschiede: Während „hart aber fair“ vergleichsweise häufig wirtschaftliche Themen behandelt (38,9 Prozent) und stets Experten aus Ökonomie, Unternehmertum oder einem Wirtschaftsverband einlädt, fällt insbesondere „Maischberger“ durch einen besonders geringen Anteil wirtschaftspolitischer Sendungen (7,8 Prozent) auf, in denen zu 80 Prozent kein Wirtschaftsexperte zugegen ist.
Forderung der INSM
Wie bereits in der Vorstudie dargestellt, wird weiterhin kaum über Wirtschaft und zu wenig mit der Wirtschaft gesprochen. Dadurch fehlen in den Debatten relevante Praxisbeispiele und Erfahrungen. Der Mangel an praxisnahen Perspektiven kann verschiedene Gründe haben wie ein unausgewogenes Guest Booking, letztlich lässt sich aber nur über die Ursachen spekulieren. Die deutlich gestiegene Präsenz von Ökonomen, die wirtschaftspolitische Debatten wissenschaftlich-theoretisch einordnen können, ist hingegen erfreulich. Eine breitere Repräsentation der betroffenen Gruppen würde nicht nur dem Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besser entsprechen, sondern könnte die Vielseitigkeit der Formate stärken und insgesamt eine pluralistische öffentliche Meinungsbildung fördern.
Hinzu kommt, dass wirtschaftspolitische Themen insgesamt an Bedeutung in den Formaten verloren haben, obwohl die wirtschaftliche Lage weiterhin katastrophal ist und den Umfragen zufolge das wichtigste Thema für die Bevölkerung darstellt. Auch wenn die Krisen und politischen Herausforderungen zugenommen haben, darf Wirtschaftspolitik nicht so nebensächlich behandelt werden. Schließlich bildet die Wirtschaft mit einem langfristigen und nachhaltigen Wachstum die Grundlage unter anderem für die Finanzierung unseres Sozialstaats sowie die politische und gesellschaftliche Stabilität.
INSM-Newsletter
Melden Sie sich für unseren Newsletter an und bleiben Sie immer informiert über aktuelle Wirtschaftsthemen in Deutschland.











