Aspekt 4: Versorgungssicherheit
Die Stromversorgung muss gewährleistet sein, allerdings ist sie in sonnen- und windschwachen Wintermonaten mit einem sehr hohen Stromverbrauch gefährdet. Deswegen muss auf mittlere Sicht der Ausbau von effizienten fossilen Anlagen ermöglicht werden.
Vom Ziel gedacht
Neben der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit gehört die Sicherheit der Energieversorgung zu den drei übergeordneten Zielen des energiepolitischen Zieldreiecks. Eine kontinuierliche und stabile Energieversorgung soll zu jeder Zeit in Deutschland gewährleistet sein. Energie muss laufend zuverlässig verfügbar sein; unfreiwillige Energieversorgungsausfälle soll es nicht geben. Dazu gehört die sichere Versorgung mit Primärenergieträgern wie Öl und Gas. Hier ist insbesondere eine Vielfalt der Lieferländer und Transportwege relevant. Zur Versorgungssicherheit gehört aber auch eine kontinuierliche Stromversorgung. Aufgrund der fehlenden Speichermöglichkeit muss elektrischer Strom simultan erzeugt und verbraucht werden. Zu jeder Zeit muss genau so viel Strom produziert werden, wie Strom verbraucht wird.
Die Versorgungssicherheit der Stromversorgung zeigt sich insbesondere an den geringen Ausfallzeiten. Die Netzstabilität kann in Deutschland als ausgesprochen gut angesehen werden. So war in Deutschland 2009 rund 15 Minuten lang kein Strom verfügbar. Dies entspricht einem durchschnittlichen Ausfall von gerade einmal 0,003 Prozent der Zeit eines Jahres. In Italien lagen die Ausfallzeiten im gleichen Zeitraum mit 88 Minuten deutlich höher, in Frankreich mit 159 Minuten mehr als zehnmal so hoch wie in Deutschland. Hieran gemessen ist die Versorgungssicherheit in Deutschland derzeit als hoch zu bewerten. Dieser Wettbewerbsvorteil muss für die Zukunft erhalten werden.
Die Energiewende stellt die Stromerzeugung auf eine neue Basis. Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien führt zu einem Angebot, das zu größeren Teilen von natürlichen Schwankungen abhängt. Damit wird der Ausgleichsbedarf für den nicht durch erneuerbare Energien zu deckenden Strombedarf ebenfalls größer. Die nötige Flexibilität kann zu Teilen durch Stromspeicher, Importe oder die Anpassung der kurzfristigen Nachfrage bereitgestellt werden. Von besonderer Bedeutung für die Energiewende bleiben jedoch fossile Kraftwerke. Zum einen müssen sie die erneuerbaren Energien ersetzen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen. Zum anderen müssen sie immer noch einen großen Teil des Stroms zur Verfügung stellen. Schließlich wird selbst 2030 nur mit einem Anteil der erneuerbaren Energien von 50 Prozent gerechnet – der Rest muss weitestgehend fossil erzeugt werden. Im Bau der notwendigen fossilen Kraftwerke und der Sicherung der notwendigen Kapazitäten liegt eine der Kernherausforderungen der Energiewende.
Zielerreichung: INSM-Energiewende-Radar
Ein einfach messbar definiertes Ziel der Bundesregierung zur Versorgungssicherheit liegt nicht vor. Einen Eindruck zur kurzfristigen Situation gibt die Zahl der notwendigen Eingriffe in das Netz zur Sicherung der Netzstabilität. Längerfristig ist jedoch für den Erfolg der Energiewende die Bereitstellung der notwendigen fossilen Kapazitäten von entscheidender Bedeutung. Ein entsprechendes Ziel liegt in der von der Bundesnetzagentur als notwendig erachteten und dem Netzausbauplan zugrunde gelegten konventionellen Kraftwerkskapazität von 98,8 Gigawatt im Jahr 2022. Dieses Ziel kann dem nach heutigen Planungen erwarteten Kapazitäten im selben Jahr gegenübergestellt werden. Wird der Kapazitätsbedarf vollständig erfüllt, wird ein Zielerreichungsgrad von 100 Punkten festgestellt. Jeder Prozentpunkt, den die erwarteten unter den benötigten Kapazitäten liegen, führt zu einer Verminderung des Zielerreichungsgrades um einen Punkt.













