20 Fakten zur Wirtschaftslage
Die Wirtschaftspolitik der letzten 20 Jahre ignoriert die Fakten
Die letzten großen marktwirtschaftlichen Reformen liegen weit zurück. In den 2000er Jahren wurde Deutschland unter anderem durch Agenda 2010, höheres Renteneintrittsalter, Steuersenkungen, Schuldenbremse und Einschnitte in der Krankenversicherung vom „kranken Mann Europas“ zur „Wachstumslokomotive Europas“. Die 2010er Jahre waren eine Wachstumsdekade.
Doch viele dieser Reformen wurden nach und nach zurückgedreht. Sozialversicherungen wurden stärker belastet, obwohl der Renteneintritt der Babyboomer absehbar war. Bürokratie wurde zum Investitionshemmnis. Der Umbau der Energieversorgung trieb die Kosten für Haushalte und Unternehmen. Statt verlässlicher Rahmenbedingungen setzte die Politik zunehmend auf Einzelmaßnahmen und Subventionen.
Das Ergebnis: Der Wirtschaftsstandort Deutschland und damit unser Wohlstand geraten unter Druck. Diese Faktensammlung liefert dafür die Argumente: 20 Fakten, die zeigen, warum es so nicht weitergehen kann.
Die Zahlen wurden im April 2026 gesammelt, als sich das von der Regierung selbst so bezeichnete „Zeitfenster der Reformen“ öffnete. Einzelne Werte können sich in den kommenden Monaten aktualisieren. Am Gesamteindruck ändert das ohne Reformen nichts: Es ist Zeit zu wenden.
Fakt 1: 0,32 Prozent Wachstum pro Jahr
Seit Corona kommt die deutsche Wirtschaft nicht mehr in den Tritt – anders als unsere Mitbewerber. Berücksichtigt man die aktuellen OECD-Prognosen für dieses Jahr ist die deutsche Wirtschaft von 2019 bis 2026 durchschnittlich nur 0,32 Prozent gewachsen. Damit sind wir Schlusslicht im OECD-Vergleich. Faktisch steckt Deutschland also seit sechs Jahren in der Stagnation und damit in der längsten Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik.

Fakt 2: Alle 22 Minuten eine Insolvenz
Unternehmensinsolvenzen in Deutschland nehmen in den letzten Jahren deutlich zu. Laut Destatis waren es im letzten Jahr 24.064 – rund 10,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Schnitt kam es also alle 22 Minuten zu einer Insolvenz.
Diese Entwicklung setzt sich auch in diesem Jahr fort: Im ersten Quartal 2026 erreichte die Zahl der Firmenpleiten laut IWH den höchsten Stand seit über zwanzig Jahren. Mehr als 4.500 Unternehmen meldeten in diesem Zeitraum Insolvenz an.

Fakt 3: Längste Phase negativer Unternehmenserwartungen seit 20 Jahren
In der IW-Konjunkturumfrage Frühjahr 2026 ist der Saldo der Lagebewertungen deutlich im negativen Bereich. Während knapp 14 Prozent der Unternehmen von einer besseren Geschäftssituation als vor einem Jahr berichten, sprechen ca. 43 Prozent von einer Verschlechterung. Nur 21 Prozent rechnen 2026 mit einer höheren Produktion als im Vorjahr. 35 Prozent haben schlechtere Produktionserwartungen. Damit befindet sich die Wirtschaft in der längsten Phase negativer Unternehmenserwartungen seit 20 Jahren.

Fakt 4: Geschäftsklima fällt auf Krisenniveau
Die Stimmung in der Wirtschaft kippt. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im April 2026 auf 84,4 Punkte – der niedrigste Wert seit Mai 2020. Unternehmen bewerten ihre Lage schlechter und blicken pessimistischer in die kommenden Monate. Irankrise, Lieferengpässe und Kaufzurückhaltung durch Inflation belasten die Wirtschaft. Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bau melden sinkende Erwartungen. Besonders im Bauhauptgewerbe ist die Hoffnung auf einen Aufschwung vorerst dahin.

Fakt 5: Staatskonsum auf Rekordniveau, Investitionen zurück auf 2015er-Niveau
Seit 2020 driften Staatskonsum und private Investitionen in entgegengesetzte Richtungen. Während der staatliche Verbrauch kontinuierlich wächst, sind die privaten Investitionen eingebrochen und liegen auf dem Niveau von 2015. Dieses Wachstum des Staatskonsums wird für die Wirtschaft und die notwendige Haushaltskonsolidierung zunehmend zur Belastung werden. Zudem werden finanzielle Spielräume angesichts einer alternden Bevölkerung weiter eingeengt und gefährden unsere Handlungsfähigkeit.

Fakt 6: Erwerbspersonenpotenzial
sinkt ab jetzt
Der demografische Wandel reduziert unser Arbeitsvolumen: Das Erwerbspersonenpotenzial dürfte seinen Höchststand bereits im Jahr 2025 überschritten haben. Auch für die nächsten Jahre wird diese Zahl und damit unser Arbeitsvolumen weiter sinken – der Renteneintritt der Babyboomer wird durch die Zuwanderung von außen nicht aufgewogen. Das bedeutet: Unsere Wirtschaftskraft, die von den Faktoren Kapital und Arbeit abhängt, wird nicht mehr wachsen, weil unser Arbeitsvolumen schrumpft.

Fakt 7: Mehr als drei Millionen Arbeitslose
Die Wirtschaftskrise kommt immer mehr auch auf dem Arbeitsmarkt an. Seit dem letzten Sommer liegt die Arbeitslosenzahl erstmals seit zehn Jahren bei mehr als drei Millionen (3,021 Millionen im März 2026). Die Arbeitslosenquote lag im selben Monat bei 6,4 Prozent. Parallel zu diesem Trend geht die Anzahl an Erwerbstätigen seit August 2025 zurück und liegt bei 45,5 Millionen. Die Institute gehen für dieses Jahr von einem weiteren Rückgang von 100.000 aus.

Fakt 8: 300.000 hochbezahlte Industrie-Jobs weniger
Die Krise auf dem Arbeitsmarkt ist eine Krise der Industrie. Allein in der Metall- und Elektro-Industrie sind seit 2019 rund 300.000 Stellen abgebaut worden. Das sind im Schnitt 112 Jobs pro Tag.
Während in der Industrie Arbeitsplätze abgebaut werden, wächst die Beschäftigung im öffentlichen Sektor. Da die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe deutlich höher ist als in diesen Bereichen, geht diese Verschiebung mit einem Verlust an Wertschöpfung und Wohlstand einher.

Fakt 9: Deutschland auf hinteren Plätzen bei Wochenarbeitszeit
Im EU‑Vergleich der tatsächlichen Arbeitszeit liegt Deutschland auf dem drittletzten Platz. Unter Einbeziehung von Urlaub und Krankheit arbeiten Beschäftigte ab 15 Jahren im Durchschnitt 33,2 Stunden pro Woche. Unser Wohlstand kann nicht mehr wachsen, weil das geleistete Arbeitsvolumen schrumpft. Wesentliche Gründe für Teilzeitarbeit liegen in den mangelhaften finanziellen Anreizen für Mehrarbeit. Zudem sind aber auch die Betreuungsangebote in Deutschland nach wie vor nicht ausreichend.

Fakt 10: Sozialabgaben 2035 bei 50 Prozent
Projektionen des IGES‑Instituts zeigen, dass die Sozialversicherungen in den kommenden Jahren stark unter Druck geraten. Für die GKV wird 2027 eine Finanzierungslücke von bis zu zwölf Milliarden Euro erwartet. Insgesamt dürfte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag von 42,96 Prozent im Jahr 2026 auf rund 43,6 Prozent im Jahr 2027 steigen und bis 2035 etwa 50 Prozent erreichen. Damit wäre das ursprüngliche Ziel einer maximalen Abgabenquote von 40 Prozent weit überschritten.

Fakt 11: Höchste Pro-Kopf-Gesundheitskosten in der EU
Deutschland hat das teuerste Gesundheitssystem der EU. Die Gesundheitsausgaben lagen 2023 bei 5.414 Euro pro Kopf und damit höher als in jedem anderen EU-Mitgliedstaat. Das entspricht 11,7 Prozent des BIP. Trotz dieses hohen Mitteleinsatzes bleibt die Versorgungsqualität im OECD-Vergleich nur durchschnittlich. Das Problem ist daher weniger zu wenig Geld, sondern ein ineffizienter Einsatz vorhandener Mittel.

Fakt 12: Renten-Umlagesystem unter massivem Druck
Das Umlagesystem gerät durch den demografischen Wandel immer stärker unter Druck. 1962 finanzierten noch sechs Beitragszahler eine Altersrente, 2020 waren es nur noch 1,8. Bis 2050 dürfte das Verhältnis auf etwa 1,3 zu 1 sinken. Damit müssen immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen. Die Folge: steigende Beiträge, höhere Steuerzuschüsse und wachsende Belastungen für Arbeit und Wachstum.

Fakt 13: Die Rentenbezugsdauer hat sich mehr als verdoppelt
Die Menschen in Deutschland werden älter, arbeiten aber nicht im gleichen Maße länger. 1960 erhielten Männer in den alten Bundesländern im Schnitt 9,6 Jahre Rente, Frauen 10,6 Jahre. Bis 2024 hat sich die Bezugsdauer mehr als verdoppelt: auf 18,9 Jahre bei Männern und 21,5 Jahre bei Frauen. Damit wächst der finanzielle Druck auf das Rentensystem weiter.

Fakt 14: Bundesausgaben steigen vor allem bei Konsumausgaben
Der Bund gab von Januar bis März 2026 129,8 Milliarden Euro aus, 7,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Absolut stiegen vor allem die konsumtiven Ausgaben: +5,7 Milliarden Euro gegenüber +1,5 Milliarden Euro bei den Investitionen. Zudem beruht der Investitionsanstieg stark auf Darlehen an Sozialkassen. Die echten Sachinvestitionen lagen sogar 0,1 Milliarden Euro unter denen des Vorjahres.

Fakt 15: Rekordverschuldung mit einer Zinslast von über 30 Milliarden
Die deutschen Staatsschulden sind 2025 um weitere 144 Milliarden Euro auf 2,84 Billionen Euro gestiegen. Die Zinslast der öffentlichen Haushalte lag bei 30,43 Milliarden Euro und damit höher als der Etat des Bundesverkehrsministeriums 2026. Besonders stark wuchsen die Verbindlichkeiten des Bundes inklusive Extrahaushalten um 107 Milliarden Euro. Die Schuldenquote stieg auf 63,5 Prozent des BIP.

Fakt 16: Deutschland mit zweithöchster Steuer- und Abgabenlast
Deutschland belastet Arbeit besonders stark. Ein kinderloser Single mit einem Durchschnittseinkommen gibt 49,3 Prozent seines Einkommens für Steuern und Abgaben ab – der zweithöchste Wert im OECD-Vergleich. Auch Familien sind stark betroffen: Bei zwei Kindern und zwei arbeitenden Eltern liegt die Belastung bei 42,6 Prozent, im OECD-Schnitt nur bei 29,8 Prozent. So lohnt sich Mehrarbeit oft zu wenig.

Fakt 17: Deutschland gehört zu den OECD-Ländern mit den höchsten Unternehmenssteuern
Deutschland zählt bei der Unternehmensbesteuerung zu den teuersten Standorten der OECD. Der tarifliche Steuersatz für Kapitalgesellschaften lag 2024 bei 30,1 Prozent und damit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 23,9 Prozent. Damit hatte Deutschland die dritthöchste tarifliche Steuerbelastung im Vergleich. Auch effektiv liegt Deutschland mit 26,7 Prozent klar über dem OECD-Mittelwert von 22,1 Prozent.

Fakt 18: Bürokratie kostet 146 Milliarden Euro und frustriert Betriebe
Übermäßige Bürokratie kostet Deutschland laut ifo rund 146 Milliarden Euro Wirtschaftskraft pro Jahr. Unternehmen verlieren Zeit durch Dokumentations-, Berichts- und Genehmigungspflichten. In den vergangenen drei Jahren waren laut Betrieben zusätzlich 325.000 Arbeitskräfte nötig, um Bürokratie zu bewältigen. 81,1 Prozent der Unternehmer sehen Bürokratieabbau deshalb als wichtigste Wachstumsmaßnahme.

Fakt 19: Strompreis-Spitzenreiter in der EU
Deutschland bleibt ein Hochpreisland für Strom. Haushalte zahlten 2025 im Schnitt 38,52 ct/kWh – bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.383 kWh rund 1.303 Euro pro Jahr. Auch Gewerbekunden tragen mit 30,52 ct/kWh eine hohe Last. Für die Industrie ist der Abstand besonders relevant: 13 ct/kWh in Deutschland gegenüber 8 ct/kWh in den USA und China – das sind rund 60 Prozent mehr als bei wichtigen Wettbewerbern.

Fakt 20: Bildungsabstieg – Jeder dritte Schüler verfehlt Mindeststandard
Deutschlands Schülerleistungen sinken deutlich. In der PISA-Studie 2022 erreichte Deutschland nur noch 475 Punkte in Mathematik, 480 im Lesen und 492 in Naturwissenschaften. Besonders alarmierend: Rund 30 Prozent der Schüler verfehlen in Mathematik die Mindeststandards, im Lesen rund 25 Prozent. Damit wächst das Risiko, dass der Fachkräftemangel künftig noch stärker wird.

Quellen
Fakt 1: Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026
Fakt 2: IWH-Insolvenztrend 2026, Grafik: Statistisches Bundesamt: Unternehmensinsolvenzen 2025
Fakt 3: IW-Konjunkturumfrage Frühjahr 2026
Fakt 4: ifo Geschäftsklimaindex (April 2026)
Fakt 5: KfW Research: Verdrängt der Staatskonsum die Investitionen? 2026
Fakt 6: Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026, Grafik: BMWE: Erwerbspotenzial sinkt 2025
Fakt 7: IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf (April 2025), Statistisches Bundesamt: Erwerbstätige (April 2026), Grafik: Statistisches Bundesamt: Arbeitslose in Deutschland (April 2026)
Fakt 8: Gesamtmetall 2026, tagesschau: Mehr als 120.000 Jobs in der Industrie verloren (Februar 2026)
Fakt 9: Wirtschaftsdienst: Teilzeitarbeit von Frauen 2026, Grafik: Statista: Deutschland bei Arbeitszeit im EU-Vergleich weit hinten (Mai 2025)
Fakt 10: IGES: Beitragsentwicklung in der Sozialversicherung 2026, Handelsblatt: 42 Krankenkassen erhöhen Beiträge – Millionen zahlen mehr. (Januar 2026)
Fakt 11: OECD: Health at a Glance 2025, OECD: Länderprofil Deutschland Gesundheit 2025, Grafik: Statistisches Bundesamt: Gesundheitsausgaben im EU-Vergleich 2023
Fakt 12: Grafik: Statista: Staatliches Rentensystem zunehmend unter Druck 2021
Fakt 13:
aba: Gesetzliche Rentenversicherung: durchschnittliche Rentenbezugsdauer in den alten Bundesländern seit 1960 (Dezember 2025)
https://www.aba-online.de/grv-durchschnittliche-rentenbezugsdauer
Fakt 14: BMF-Monatsbericht (April 2026), Grafik: Statista: Konsumtive und investive Ausgaben des Bundes 2025
Fakt 15: Bundesbank: Deutsche Staatsschulden wachsen 2025 um 144 Milliarden Euro auf 2,8 Billionen Euro (März 2026), Schuldenuhr Deutschland 2026, Bundeshaushalt digital 2026, Deutsche Finanzagentur: Zinszahlungen Bundeshaushalt, Sondervermögen & Darlehensfinanzierungen 2025
Fakt 16: OECD: Taxing Wages 2026
Fakt 17: IW: Die Steuerbelastung der Unternehmen im internationalen und zeitlichen Vergleich 2026
Fakt 18: Diegmann , André; Kubis, Alexander (2025): Die Betriebe mussten in den letzten drei Jahren 325.000 Arbeitskräfte zusätzlich einstellen, um die gewachsene Bürokratie zu bewältigen, ifo Institut: Bürokratie in Deutschland kostet jährlich 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung (November 2024), Nationaler Normenkontrollrat: Jahresbericht 2025
Fakt 19: vbw: Internationaler Energiepreisvergleich für die Industrie (November 2025), StromAuskunft: Gewerbestrompreise und Industriestrompreise, Grafik: Eurostat: Preise für Elektrizität für Haushaltskunde 2026
Fakt 20: IW: Nutzung digitaler Medien von Kindern und Jugendlichen (April 2026)
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