Schulqualität und Bildungschancen: Warum die bessere Steuerung von Schulen nötig ist
PISA, der INSM-Bildungsmonitor und der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ machen deutlich – Schulqualität und Bildungschancen müssen verbessert werden. Wichtig dabei sind bessere Daten, die empiriegestützte Umsetzung von Maßnahmen zur Qualitätssteigerung und eine bessere Versorgung mit Lehrkräften.
Der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ und der INSM-Bildungsmonitor zeigen, dass Deutschland Stärken bei der dualen Ausbildung hat und damit über gute Übergangswege von Schule zum Arbeitsmarkt verfügt. Auch gibt es Fortschritte beim Zugang zum Studium. Problematisch ist jedoch ein steigender Anteil junger Menschen, die keinen Übergang zur Ausbildung schafft, vor allem weil Kompetenzen am Ende der Schulzeit fehlen.
Deutschlands Schulen stehen damit vor der wichtigen Aufgabe, grundlegende Kompetenzen zu stärken und die Ausbildungsreife für jedes Kind zu sichern. Im Lesen hat sich der Anteil der 15-Jährigen, die die Kompetenzstufe 2 nicht erreichen, von 16 Prozent im Jahr 2015 auf 32 Prozent im Jahr 2025 verdoppelt. Auch in den Naturwissenschaften und in der Mathematik ist die Risikogruppe in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen.
Um die Schulqualität zu verbessern, braucht es bessere Bildungsdaten. Regelmäßige Vergleichsarbeiten können sichtbar machen, wie sich die Kompetenzen in den Jahrgängen entwickeln und wo Förderung wie wirkt. Entscheidend ist, dass Schulen die Ergebnisse nicht als Kontrollinstrument verstehen, sondern als Grundlage für konkrete Maßnahmen der Unterrichtsentwicklung.
Der INSM-Bildungsmonitor zeigt, dass Länder mit Schulautonomie und regelmäßigen standardisierten Leistungsüberprüfungen im Durchschnitt bessere Ergebnisse erzielen. Dies gilt vor allem dann, wenn die Ergebnisse auch zur Unterrichtsentwicklung wie im Vereinigten Königreich, Kanada oder vielen anderen erfolgreichen Ländern eingesetzt werden. Deutschland hat hier Nachholbedarf.
Wichtig sind zum zweiten die Verfügbarkeit qualifizierter Lehrkräfte und die Umsetzung des geplanten Unterrichts. Der Anteil der Lehrkräfte ohne ausgewiesene Lehramtsprüfung an allgemeinbildenden Schulen stieg bundesweit von 4,3 Prozent im Schuljahr 2014/15 auf 11,2 Prozent im Schuljahr 2024/25. Für diese Lehrkräfte sind berufsbegleitende pädagogische Qualifizierung, Mentoring und Zeit für die Einarbeitung wichtig. Hierbei gibt es zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede.
Die Länder erfassen auch Unterrichtsausfälle sehr unterschiedlich. Unterschiede gibt es bei der Art der Erfassung und der Differenzierung danach, ob Unterricht vollständig ausfällt, fachfremd vertreten, durch Zusammenlegung von Klassen oder durch Selbstlernen ersetzt wird. Der INSM-Bildungsmonitor zeigt unabhängig von diesen Unterschieden deutlich, dass das Ausmaß nicht planmäßig durchgeführten Unterrichts sehr hoch ist.
Aus den Befunden ergeben sich Handlungsaufträge. Die Länder sollten einheitlich festlegen, wie ausgefallene, vertretene und fachfremd erteilte Stunden erfasst werden. Darüber hinaus sollten Ressourcen und Konzepte vorhanden sein, Unterrichtsstunden hochwertig zu vertreten. Lernstandsdaten sollten über mehrere Jahrgänge an einer Schulform hinweg erhoben werden. Schulen brauchen bessere Daten und Entscheidungsspielräume, um daraus Fördermaßnahmen abzuleiten. Seiteneinsteiger brauchen Qualifizierung und professionelle Begleitung. Die Lehrkräfteausbildung sollte grundsätzlich Bedarfe decken können. Außerdem sollte Deutschland an der nächsten TALIS-Erhebung (Teaching and Learning International Survey) teilnehmen, um die Arbeitsbedingungen und Unterrichtspraxis an Schulen aus Sicht der Lehrkräfte einschätzen und international einordnen zu können.
Autor:

Prof. Dr. Axel Plünnecke ist Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation, Migration beim Institut der deutschen Wirtschaft.
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