Wachstumsthese 1 Für mehr Jobs muss Deutschland seinen Arbeitsmarkt flexibler machen
Die Wirtschaftsprofessoren Aymo Brunetti und Beatrice Weder di Mauro, Mitglied der Wirtschaftsweisen, glauben, dass Reformen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland den stärksten Wachstumsimpuls bringen würden.
Die Schweizer Wirtschaftsprofessoren Aymo Brunetti und Beatrice Weder di Mauro, Mitglied im deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweise), glauben, dass Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland den stärksten Wachstumsimpuls bringen würden. Sie empfehlen eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes nach Schweizer Vorbild. Dabei müssten die Deutschen zum Beispiel deutliche Abstriche beim Kündigungsschutz hinnehmen. Ebenso würde die Lohnfindung weniger einheitlich - weil stärker an den betrieblichen Bedürfnissen ausgerichtet - stattfinden, als es viele an den Flächentarif gewohnte Deutsche bisher gewohnt sind: Es würde bei Löhnen und Gehältern mehr Abweichung nach unten und nach oben geben.
Die Frage, ob all das nicht mehr Unsicherheit bringt, kontern die Ökonomen mit dem Hinweis darauf, dass Arbeitsmarktreformen nach Schweizer Vorbild deutlich bessere Chancen für die Menschen brächten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die Realität scheint ihnen Recht zu geben. In Deutschland stehen nicht einmal zwei Drittel der Bundesbürger zwischen 15 und 64 Jahren im Berufsleben. In der Schweiz sind es mehr als drei Viertel (siehe Grafik). Die Schweizer Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass die Bundesrepublik über eine Zeit von zehn Jahren ein zusätzliches jährliches Wachstum von mindestens 1,6 Prozent erleben würde, wenn es hierzulande gelingen würde, einen ähnlich hohen Prozentsatz von Menschen in Arbeit zu bringen, wie bei den Eidgenossen.
Ein anderes Beispiel ist Großbritannien, ein Land, dessen Reformerfolge die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft 2005 im Rahmen der Studie Vision D. untersuchen ließ. Das Vereinigte Königreich schuf mehr Wachstum (1990-2000 jahresdurchschnittlich 2,4 Prozent) vor allem durch die Aktivierung seines Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosenrate sank von 11,3 Prozent (1983) auf unter 5 Prozent. Dies ging in Großbritannien allerdings auch mit einer Vielzahl geringer dotierter Jobs einher, so dass die Briten ihre Reformen mit einer größeren Ungleichheit bei den Einkommen "bezahlten". Allerdings ist nach gut 20 Reformjahren auf der Insel auch festzustellen, dass viele Mitglieder der britischen Unterschicht sich durch Fleiß und Eigeninitiative nach oben arbeiten konnten.
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